Martinsgans - ein Essen mit Tradition

Martinsgans – ein Essen mit Tradition

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Der heilige Martin war ein Geistlicher, der sein Hab und Gut mit den Ärmsten der Armen teilte. Bevor er auf Wanderschaft ging, sollte er zum Bischof von Tours ernannt werden. Martin aber entschied sich für ein anderes, ein einfacheres Leben. 
Dargestellt wird Sankt Martin sehr häufig auf einem Pferd sitzend. Handelt es sich dazu noch um einige farbige Darstellung, fällt sofort sein markanter roter Mantel auf. Ein Bettler kniet neben dem Pferd und erbittet ein Stück Brot. Martin zerteilt seinen Mantel und reicht seinen Proviant weiter.

Ihm zu Ehren feiern Christen weltweit am 11. November alljährlich den Martinstag. An den Abenden rund um den Martinstag veranstalten Kindergärten, Schüler und auch die Vertreter der christlichen Kirchen den traditionellen Laternenumzug, bei denen selbstgebastelte Laternen die Straßen erleuchten. Im Rheinland und in vielen anderen Gegenden ziehen die Kinder zum so genannten Gribschen umher und bitten um milde Gaben.

Es gibt aber noch einen anderen Brauch zum St. Martin: Im Kreise der Familie oder auch mit guten Freunden wird eine Gans verspeist. Dies geschieht in Anlehnung an die so genannte Proviantweitergabe.

Vor allem im Westen und im Norden von Europa hat das Gänseessen zum St. Martin langjährige Tradition.
Überlieferungen besagen, dass sich Martin von Tours aus Bescheidenheit in einem Gänsestall versteckt haben soll, als er zum Bischof geweiht werden sollte. Die Gänse verrieten durch ihr Geschnatter den Aufenthaltsort und er wurde entdeckt. Seither gilt er als Schutzpatron der Gänsezucht.

Doch auch die Tatsache, dass die 40tägige vorweihnachtliche Fastenzeit beginnt und vorher noch einmal gut gegessen wird, könnte den Brauch des Gänseessens belegen. Ebenfalls könnte der Brauch aus dem Mittelalter stammen. Damals mussten die Bauern ihren Lehnherren ihre „Pacht“ entrichten. Dies geschah häufig in Form von Naturalien. Die Bauern bezahlten ihr Schuld u.a. mit Gänsen.

Das heutige Gänseessen führt die Tradition fort. Häufig wird dabei die Gans mit einer Füllung versehen. Auch hier gibt es in der regionale Unterschiede in der Zubereitung. Da die Martinszeit immer in die Winterzeit fällt, werden oftmals Kohlsorten dazu serviert. Bevorzugt werden u.a. Rotkohl oder auch Rosenkohl. Als weitere Beilagen werden Klöße oder Kartoffeln serviert. Nicht fehlen darf der Bratapfel, der zumeist mit leckerem Marzipan oder Preiselbeeren gefüllt ist. Abgerundet wird das Gericht mit einer passenden Soße.